Kater Musch

Wenn man sich allein lebender Schriftsteller, der ich nun mal bin, daran gewöhnt hat, eine sprechende Katze zu haben, dann ist das eigentlich ein recht gemütliches Leben: Musch geht auf leisen Pfoten ein und aus, sie ist nicht anspruchsvoll und lässt mich in Ruhe arbeiten, und zwischendurch erzählt sie mir etwas aus ihrem Leben oder schnurrt nur einfach behaglich vor sich hin.

Ich war also recht zufrieden und gab dem auch Ausdruck. »Musch«, sagte ich, »du benimmst dich letzter Zeit so musterhaft, dass du dir wirklich eine Belohnung verdient hast.«
Meine Katze räkelte sich und gähnte behaglich bei diesem Lob, und während sie die Vorderfüße mit gespreizten Krallen herausreckte, nur so, um sich zu dehnen, sagte sie: »Nichts gegen Milch und Wurstzipfel, Tonerl« – sie sagt immer Tonerl zu mir, weil ihr mein schöner Vorname Anton zu steif erscheint – »aber zwischendurch mal was Süßes – bei der Vorderpfote meines Großvaters – das wäre was für meinen Katzenmagen!«

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


© 2012 Ellis Kaut