Autobiografie von Ellis Kaut

»Nur ich sag ich zu mir:
Mein Leben mit und ohne Pumuckl«

 

BR Doku: Und immer wieder der Pumuckl -
Ellis Kaut - Teil 1

Und immer wieder der Pumuckl -
Ellis Kaut - Teil 2

Biografisches von Ellis Kaut

Pumucklhörspiele

1962 spielte noch nicht das Fernsehen die Hauptrolle in der Unterhaltung, sondern das Radio und damit das Hörspiel. Ich schrieb bis 1971 rund 90 Pumucklhörspiele, ab 1956 erschienen dazu die Pumucklbücher insgesamt 11 Bände, und rund 50 Schallplatten, (später CDs, MCs usw.), der Pumuckl ließ mich kaum zu Atem kommen, er war allgegenwärtig. Dazu kamen viele Lesungen, Kinderwettbewerbe, Fanclubs, auch Ehrungen, goldene Schallplatten. Und doch scheine ich zwischen 1970 und 1980 ein wenig Luft bekommen zu haben - und eine Art Abneigung gegen die Schreibmaschine - mich faszinierte die Fotografie. Ich nahm einen Kurs bei AGFA, trat einem Fotoclub bei, begann eine Fotolehre.

Abschied vom Pumuckl?

Ellis Kaut mit Hans Clarin Es muss das Jahr 1971 gewesen sein, da hatte ich, zusammen mit Musch und Pumuckl über 200 Hörspiele geschrieben, ungefähr 17 Jahre lang. Ich entwickelte allmählich eine Art Allergie gegen die Schreibmaschine, und beschloss aufzuhören. An Weihnachten sollte der letzte, noch von mir zu schreibende Pumuckl gesendet werden. Es sollte auf keinen Fall ein trauriger Abschied sein, sondern ein heiter-besinnlicher. Ich hatte auch schon eine - eigentlich nahe liegende Idee: Pumuckl findet einen Klabauterfreund und kehrt mit ihm glücklich zurück in das Reich der Klabauter. Meister Eder bleibt zufrieden in seiner Werkstatt in der Erkenntnis, dass Klabauter wie Kinder, die erwachsen werden, ihre eigenen Weg gehen, ja gehen müssen. Und außerdem wird ihm in seinem doch schon hohen Alter ein wenig Ruhe gut tun. Keinerlei Sentimentalitäten, bitte. Sendezeit am zweiten Weihnachtsfeiertag, 14 Uhr. Ich weiß nicht mehr, wo ich am 2. Weihnachtsfeiertag eingeladen war. Jedenfalls konnte ich mir die Sendung nicht anhören.

Mein Mann blieb zuhause und schnitt die Aufnahme mit. Ich traf ihn bei mir Rückkehr völlig genervt an. Einem telefonischen Proteststurm sondergleichen war er ausgesetzt gewesen, "Ihr Pumucklmörder!" hat man ihn angeschrieen. Kinder haben am Telefon geweint, Mütter sich entrüstet beschwert. Es durfte einfach nicht sein, dass Eder und Pumuckl sich trennen. Ähnliches wurde mir auch vom Rundfunk erzählt und vor allem: unzählige Briefe gingen dort ein. Der Ansturm war derart, dass weder der Kinderfunk noch ich es wagten, diese Sendung auch nur noch einmal zu wiederholen. Und in meinen Büchern hab ich diese Geschichte dahingehend abgeändert, dass der Klabauterfreund keine Macht über den Pumuckl bekommt und Eder mit ihm in die Werkstatt zurückkehrt.

Schreiben - wann und wie? Viel gefragt. Versuch, zu antworten.

Schreibende Hand Ich bin ein reiner Vormittagsarbeiter, am besten so von 10 Uhr bis 14 Uhr. Ich schreibe ziemlich schnell direkt in die Maschine, Lösung für schwierige Passagen finde ich am besten gleich nach dem Aufwachen. Auch Gespräche können sehr hilfsreich sein. Ich schreibe nie für ein bestimmtes Alter. Ich denke, dass auch der Pumuckl nicht nur Kindern etwas sagen kann. Auch nicht, wenn die Pädagogik eine Rolle spielt. Diese Pädagogik ist meistens in einer Komik versteckt, jedenfalls gebe ich mir Mühe, sie so leise wie nur möglich auftreten zu lassen. Ich kann nicht sagen, ob ich mir beim Schreiben einen Leser vorstelle. Ich glaube, ich stelle mir ausschließlich das vor, was ich schreibe. Das ist beim Pumuckl allerdings so intensiv, dass ich behaupten möchte, ich sähe und hörte einfach zu und schriebe eben "mit".

Schreiben ist für mich keine Beschäftigung, die glücklich macht. Das "Werk" ist zunächst nichts weiter als ein beschriebenes Stück Papier , das dem reinen Betrachter nichts bringt. Es aufzuhängen , um sich im daran zu erfreuen wäre lächerlich. Auch ein ganzer Stapel beschriebenen Papiers bewegt nicht das Herz, nicht einmal Stolz auf die Leistung kommt auf, höchstens Erleichterung, dass man sich eine Pause gönnen darf. Das mag anderen Schriftstellern anders ergehen, eine Kollegin bekannte einmal "Schreiben und atmen ist für mich eines". Ich schämte mich ein wenig und ich verkniff mir zu bekennen, dass ich viel leichter atme, wenn ich nicht schreibe. Und das ist vielleicht auch der Grund, dass "es" mich immer gezwungen hat viel anderes zu tun: Modellieren, Malen, Fotografieren zum Beispiel.

 

 


© 2012 Ellis Kaut